Beinwell: stattliche Hilfe für Knochenbrüche

Pflanzenporträt

Der Beinwell, eine stattliche Pflanze, wächst gern an feuchten Plätzen, Bachrändern, Teichufern und in schattigen Gebüschen.

Im kleinen Garten nimmt er schnell das ganze Beet in Beschlag.

 

Gelbe Blüten zeigt die Unterart bohemicum, die genauso verwendet wird wie die violett blühende Normalform und der Kaukasische Beinwell (Comfrey).

Essbar sind ab Frühjahr junge Blätter, die wegen ihrer rauen Haare gut einen Omelett-, Bier- oder Pfannkuchenteig annehmen, und frittiert auf Vorspeisenplatten glänzen. Sie ergänzen aber auch eine grüne Suppe und versorgen uns mit ihrem frischen, gurkenartigen Geschmack mit hochwertigem pflanzlichem Eiweiß. Für den Salat wegen der Haare am besten klein schneiden oder vor Verarbeitung mit dem Nudelholz überrollen. In größere Blätter lassen sich Füllungen einwickeln und überbacken. Wie Spargel lassen sich die Sprossen im Frühjahr zubereiten. Getrocknete Blätter wurden früher Tabak beigegeben.

Die Glocken-Blüten eignen sich als essbare Farbtupfer auf Salaten oder Nachtisch.

 

 

Die außen schwarz-braune und innen weiße Wurzel ergänzt roh gerieben einen Reibesalat oder klein geschnitten ein gekochtes Wurzelgemüse. Sieschmeckt ähnlich wie Schwarzwurzeln. Getrocknet und gemahlen kann sie als Andickmittel dienen. Früher wurden die Wurzeln gesäubert, geschält, gewürfelt, dunkel geröstet, dann gemahlen und als Kaffeeersatz getrunken. Im Herbst zieht die große Pflanze ihre ganze Kraft in die Wurzel zurück, weshalb sie von Winter bis Frühjahr ein besonderer Segen ist.

Zu viel und täglich sollte der Beinwell aber nicht gegessen werden, weil er Pyrrolizidinalkaloide enthält, die in großen Mengen giftig sein sollen. Viele raten vom Verzehr ganz ab. Auch hier gilt wie überall: Die Dosis macht das Gift. Beinwell enthält außerdem Allantoin, Asparagin, Rosmarinsäure, Cholin, Inulin, Tripterpensaponine, viele Schleimstoffe in der Wurzel, Harz, Kiesel- und Sylicylsäure, Gerbstoffe, Cholin, ätherisches Öl, Flavonoide, Vitamin B12, Phytosterine, Gummi und Zucker.

Schon der Name weist auf seine Heilfähigkeiten hin, die seit dem Altertum bekannt sind. Das griechische “symphein” bedeutet “zusammenwachsen lassen”.

Laut Fachliteratur wirken Einreibungen und Umschläge mit der schleimigen Wurzeltinktur bei Gicht und Rheuma. Frischer Brei aus Wurzeln wird bei Knochenbrüchen, Prellungen, Zerrungen, Verstauchungen, Bänderrissen, Miniskusproblemen, Tennisarm, Sehnenscheiden- Schleimbeutel- und Brustdrüsenentzündungen aufgelegt. Sind keine frischen Wurzeln griffbereit, können auch getrocknete gemahlen und mit lauwarmem Wasser angerührt werden. Blutergüsse verschwinden schneller. Schon Hildegard von Bingen und Paracelsus wandten Beinwell dafür an.

Allantoin lässt Wunden schneller verschorfen und heilen, verflüssigt Eiter und regt in Kombination mit Kieselsäure die Bildung neuen Knorpels und Knochen an. Venenerkrankungen oder offene Beine können mit einem Breiumschlag oder einem starken Absud aus 100 g Wurzel und 500 ml Wasser behandelt werden. Dazu taucht man ein fusselfreies Tuch in den abgekühlten Absud und legt es auf die Stellen. Selbst beobachten lässt sich diese Wirkung, indem man sich mit dem frischen Schleim einreibt und ihn trocknen lässt. Er zieht sich zusammen.

 

Tinktur und Tee wirken auch bei Durchfall und chronischem Husten.

Zum Trocknen die Wurzel nach dem Waschen in handliche Stücke schneiden, wie Apfelringe auf einen starken Faden fädeln und hängend bei maximal 42° trocknen.

Für eine Salbe wässrigen Kalt- und Warmauszug, Tinktur und Öl mischen, sodass nachher möglichst alle Wirkstoffe enthalten sind.

 

 

 

 

 

 

ACHTUNG: Sobald die Pflanzen verblüht sind, können die Blätter mit denen des giftigen Fingerhutes verwechselt werden. Seine Blätter sind nur auf der Unterseite grau filzig behaart und am Rand gekerbt. Laut Kommission E darf die Anwendung nur auf intakter Haut erfolgen. In der Schwangerschaft besser darauf verzichten.

 

Quellen: www.heilkraeuter.de

Siegfried Hirsch, Felix Grünberger, “Die Kräuter in meinem Garten”, 2018

Mannfried Pahlow, “Das große Buch der Heilpflanzen”, 1993

Fleischhauer, Spiegelberger, Guthmann, “Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen”, 2019

“Die Kräuterfibel”, Packpapier-Verlang

Christine Volm, “Meine liebsten Wildpflanzen rohköstlich”, 2013

Dr. Ute Künkele und Till Lohmeyer, “Heilpflanzen & Kräuter”

Gertrud Scherf, “Wildfrüchte und Wildkräuter”, 2005

Elisabeth Westphal, “Wildkräuter”

Wolf-Dieter Storl, “Die Seele der Pflanzen”, 2013

Max Wichtl, “Teedrogen und Phytopharmaka”, 2009

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